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Geschichte und Geschichten schaffen Identität und Vertrauen

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Orts- und Firmengeschichten werden da und dort als veraltet belächelt. Diese Einschätzung wird ihnen nicht gerecht. Zeitgemäss und lesefreundlich aufbereitet sind sie Erstklassige Marketinginstrumente – für eine Gemeinde genauso wie für ein Unternehmen.

Zugegeben – manche Orts- und Firmengeschichten sind schon am Tag ihres Erscheinens verstaubt. Sie orientieren sich an Konzepten, die in den sechziger oder siebziger Jahren aktuell waren. Doch das Konsumverhalten von Medien hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Deshalb müssen die Konzepte zeitgemässer Orts- und Firmengeschichten dem veränderten Konsumverhalten angepasst werden. Sie müssen sich an den Wünschen und Interessen der Leser*innen orientieren. Umgekehrt funktioniert es nicht. In unserem Merkblatt Orts- und Firmengeschichten (einfach anklicken und downloaden) haben wir fünf Tipps für Sie zusammengefasst

Erstklassige Imageträger und Marketinginstrumente

Werden aber Geschichten mit zeitgemässen Konzepten umgesetzt, so sind sie hervorragende Image- und Marketinginstrumente. Gut erzählte und aufbereitete Ortsgeschichten stärken die Identität zwischen der Bevölkerung und ihrem Wohnort. Wer sich mit seinem Wohnort identifiziert, lässt sich leichter für Behördenamt, die Einsitznahme in einer Kommission oder für ein ehrenamtliches Engagement in einem Verein gewinnen. Denn Leute, die stolz auf ihre Wohngemeinde sind, möchten, dass diese lebt und zu einer reinen Schlafgemeinde verkommt.

Genauso stolz sein darf, wer seine eigene Ortsgeschichte in gute Geschichten zu kleiden weiss. Die Freude an der eigenen Geschichte gegen aussen zu tragen, ist durchaus lohnend. Denn wie jeder Mensch ist auch jede Gemeinde einzigartig. Es gibt nicht zwei identische Ortsgeschichten. Natürlich ist die Geschichte jeder Ortschaft eingebettet in übergeordnete Geschichtslinien – in diejenige der Region, des Kantons und der Schweiz. Welche Auswirkungen diese übergeordneten Stränge aber vor Ort hatten, wie sie von einer Gemeinde interpretiert wurden, und sich im heutigen Ort spiegeln, ist jedoch sehr individuell und wie bereits erwähnt einmalig.

Firmengeschichten stärken das Vertrauen

Firmen können ihre attraktiv aufgearbeitete Geschichte etwas anders nutzen. Eine gute Firmengeschichte erzählt davon, dass, wie und weshalb man seit 10, 20, 50 oder mehr Jahren erfolgreich am Markt ist. Sie zeigt auf, wie sich das Unternehmen in einem sich stets wandelnden wirtschaftlichen Umfeld immer wieder aufs Neue erfand und erfolgreich positionierte. Wichtig dabei ist, dass die Firmengeschichte nicht losgelöst sondern im Gegenteil eingebettet in die übergeordnete Geschichte präsentiert wird. Erfolgreiche Firmen reagieren sehr rasch und sensitiv auf sich verändernde Rahmenbedingungen. Genau das soll in einer Unternehmensgeschichte aufgezeigt werden. Was schafft mehr Vertrauen, als ein Unternehmen, das seit vielen Jahren erfolgreich ist? Was begeistert Kundinnen und Kunden mehr, als wenn das Unternehmen durch die Präsentation seiner eigenen Geschichte zeigt, wie innovativ es seit vielen Jahren ist?

Geschichte und Geschichten erzählen

Was aber sind nun zeitgemässe Konzepte? Es sind solche, die sich an den Lese-, Hör- und Sehgewohnheiten der Zielgruppen orientieren. Gedruckte Geschichten sollten heute nicht mehr «nur» linear von Seite 1 bis Seite 250 lesbar sein. Sie sollten die Orts- oder die Firmengeschichte in kürzeren Episoden erzählen, das Schmöckern und Stöbern erlauben und mit vielen Bildern durchsetzt sein. Ausserordentlich bewährt hat sich die Gliederung einer umfassenden Ortsgeschichte in mehrere kleine Bände, die im Abstand eines Jahres erscheinen. Wir haben die Ortsgeschichten von Männedorf (Kt. Zürich) und Balgach (Kt. St. Gallen) so gestaltet – und in beiden Orten wurde die Vernissage des neuen Bandes während fünf Jahren jeweils mit Hochspannung erwartet. Die Ortsgeschichte erhielt so während eines begrenzten Zeitraumes den Charakter eines Jahrbuches.

Online-Geschichten zum Schmöckern und Stöbern

Ebenfalls sehr bewährt hat sich die Erarbeitung einer Online-Ortsgeschichte, die sich deutlich von gedruckten Geschichten unterscheiden. Auf Gemeinden und Schulen spezialisierte Online-Agenturen wie i-web (www.i-web.ch) oder backslash (www.backslash.ch) haben innovative Tools entwickelt, welche eine onlinegerechte, digitale Darstellung von Ortsgeschichten nicht nur erlauben, sondern die die Gemeindehomepage deutlich aufwerten. Bei Unternehmen müssen ansprechende Möglichkeiten durch die Online-Agentur ab und zu noch entwickelt werden, was aber keine grosse Sache ist. Digitale Orts- und Firmengeschichten müssen noch viel mehr als ihre gedruckten «Cousins» zum Schmöckern und Stöbern einladen. Gut aufgebaut sind sie auch attraktiv für Schülerinnen und Schüler, die sich im Schulunterricht mit ihrem Wohnort befassen müssen. Sie können oft gute Einstiege in Projektarbeiten bieten. Es empfiehlt sich, Online-Geschichten jedes Jahr zu aktualisieren, was mit einem bescheidenen Aufwand und wenigen Kosten möglich ist.

Geschichte hören und sehen

Ausgezeichnete Medien, um Orts- und Firmengeschichten aufzuarbeiten, sind Filme und Podcasts. Podcasts sollten eher komplementär zu einer Print- oder Online-Geschichte eingesetzt werden. Insbesondere in Kombination mit einer Online-Geschichte bieten Podcasts ausserordentlich spannende Möglichkeiten, um auf spezifische Aspekte der Orts-oder Firmengeschichte einzugehen. So lässt sich die Ortsgeschichte zumindest in Teilen ortsunabhängig geniessen. In Filmen kann die Unternehmensgeschichte sehr gut mit einem aktuellen Firmenporträt kombiniert werden. Die traditionsreiche Firma Orgelbau Kuhn AG in Männedorf hat genau dies getan, ihre Unternehmensgeschichte verfilmt und gleichzeitig gezeigt, wie eine Orgel entsteht. Der Film wird regelmässig als Imagefilm eingesetzt und auch von Berufsschulen gerne verwendet. Als Imageträger einer führenden Orgelbau-Manufaktur ist der Film nicht zu toppen.

Viele Akzente während eines längeren Zeitraumes setzen

Bei historischen Produkten gilt dasselbe, wie bei allen anderen Publikationen auch: Die Halbwertszeit ist relativ kurz. Wird auf einen einzigen Zeitpunkt hingearbeitet, steht die Geschichte der Gemeinde oder Firma zwar für kurze Zeit im Scheinwerferlicht. Schon bald aber wird sie durch andere Aktualitäten aus dem Bewusstsein der Bevölkerung oder der Kund*innen verdrängt. Deshalb lohnt es sich, in eine nachhaltige Aufarbeitung der Geschichte zu investieren, mit der man über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder die Aufmerksamkeit auf den Ort oder das Unternehmen lenken kann. Von der Publikation der Ortsgeschichte im Stil eines Jahrbuches war bereits die Rede. Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten. So hat beispielsweise die Gemeinde Feuerthalen ihre Geschichte 2018 online und offline aufarbeiten lassen. Offline, in dem sie jeden Monat eine historische Tafel an einem geschichtsträchtigen Ort vorstellte und mit einem Referat diese Örtlichkeit in die Ortsgeschichte einbettete. Parallel dazu liess sie die Online-Ortsgeschichte aufarbeiten, die auch heute noch auf der Gemeindewebseite eingesehen werden kann. Der Erfolg dieser «Geschichts-Staffelung» war eindrücklich und wird zur Nachahmung empfohlen.

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, um die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Sie alle sind gut, wenn sie ihr Publikum erreichen. Das tun sie aber nur, wenn sie sich an den Gewohnheiten und Interessen der Zielgruppen orientieren. Lassen Sie Ihre Gemeindebevölkerung und/oder Ihre Kundschaft an der spannenden Geschichte ihrer Gemeinde oder ihres Unternehmens teilhaben. Man wird es ihnen danken.

 

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